Die Liebe

"In der Kunst zu Lieben liegt der Sinn des Lebens"

Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Liebe, denken Sie über die Liebe nach und bringen Sie Ihre persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse mit ein.

 

 

Wege zur erfüllten Liebe

Die Vorstellung von der Liebe als eines schicksalhaften gewaltigen Ereignisses, das schlagartig eintrifft und deshalb passiv herbeigesehnt wird, ist weit verbreitet. Auf die Liebe zu warten, ist eine verhängnisvolle Einstellung, denn dadurch bringt man sich selbst und sein Leben in eine abwartende Position. Die Liebe ereignet sich aber nicht in der Passivität, denn sie ist Aktivität. Ein Mensch, der liebesfähig ist, also dafür aufgeschlossen ist, andere zu lieben, für den gibt es keine Grenzen irgendwelcher Art. Die Liebe überwindet alle Barrieren der Tradition, denn die Liebe selbst birgt das Geheimnis der Erfüllung und des Liebesglücks. Die Liebe ist konzentriertes, intensives Leben, das nicht etwa nur begnadeten Menschen zufällt, die zum Beispiel besonders intelligent sind, Erfolg und Genie haben, gut aussehen, sondern sie steht jedem Menschen offen. Schönheit oder Intelligenz sind Attribute, die nicht erforderlich sind.

(Peter Lauster: "Die Liebe", 1982)

 

 

Die bessere Hälfte

Daß man auch in grauer Vorzeit die Partnerwahl sehr ernst genommen hat, sieht man aus der folgenden kleinen Geschichte, die weit früher als das klassische Griechenland entstand und sich durch weitererzählen erhalten hat. Als der Urmensch geschaffen war, gehörte ihm die ganze weite, menschenleere Welt. Die Natur lieferte ihm alles, was er brauchte. Als der erste Mensch einmal richtig glücklich unter seinem Baum schlief, sah ihn einer der damaligen Götter, wurde eifersüchtig auf diesen Menschen und neidete ihm sein Glück. In seiner Erregung griff er nach seinem Schwert und spaltete ihn in zwei Teile, und zwar so geschickt, dass es seither nur noch weibliche und männliche Menschen gibt. Weil aber noch Erinnerungen vorhanden sind, ist es mit der glücklichen Ruhe des geteilten Urmenschen vorbei. Jeder von diesen "Teilmenschen" sucht seine zu ihm passende, aber fehlende Hälfte, weil sich jeder Teil - ob weiblich oder männlich - nicht mehr vollständig vorkommt. Die männlichen Teilmenschen suchen ihre weibliche Hälfte und die weiblichen ihre männliche Ergänzung. Vollständig und glücklich aber fühlen sich nur die, die wirklich zueinander passen und sich zu einem Ganzen zusammenfügen. Wo man sich nur mit irgendeiner gegengeschlechtlichen Hälfte vereint, obwohl die Teile sich nicht ganz zusammenfügen, bleibt ein Stück echte Menschlichkeit unerfüllt.

(Soweit die Sage.)

 

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